Review: Green Day „Revolution Radio“

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Die Revolution des Radios? (Darstellung: Reprise Records)

Sind schon wieder 90er? Nachdem im Juli bereits Blink-182 und Good Charlotte mit neuer Musik geglänzt haben, veröffentlichen nun Green Day, Sum 41 und NOFX am selben Tag ein neues Album. Keine leichte Entscheidung für den geneigten Punk-Fan – doch ich widme mich in diesem Artikel den „American Idiots“ rund um Billie Joe Armstrong.

Der Titel des neuen Green-Day-Albums lautet „Revolution Radio“. Wie sich das für eine ordentliche Revolution gehört, brennt auf dem Cover etwas – der bedauernswerte Radio, um genau zu sein. „Revolution Radio“ bringt als Albumtitel die Musik der Band auf den Punkt: gleichermaßen sozialkritisch und radiotauglich.

Als Opener bietet „Somewhere Now“ einen eher gemütlichen Einstieg in die zwölf Songs starke Tracklist. Hat mich persönlich weniger stark vom Hocker gerissen. Ganz im Gegensatz zu der folgenden Granate  „Bang Bang“. Der Song bläst einem in bester Punk-Manier direkt ins Gesicht, ringelt sich jedoch auch schnell wie ein Ohrwurm in den Gehörgang. Der Mittelteil sorgt mit einer leicht arabisch (?) klingenden Gitarrenmelodie für Abwechslung, bevor wieder hart gepogt werden darf. Der Titeltrack „Revolution Radio“ ist tempotechnisch zwischen den beiden vorherigen angesiedelt und macht einfach Spaß – ein „typischer“ Green-Day-Song. „Say Goodbye“ drosselt die Geschwindigkeit dann erneut ein bisschen weiter herunter, glänzt jedoch durch zarte Stadionrock-Anleihen a lá Muse.

Als man die Schule hasste und Gras liebte

Wer mit „Outlaws“ ein weiteres Pogo-Punk-Brett erwartet, wird schwer getäuscht. Die Band hält sich hier insgesamt sehr zurück – über die Distanz von fünf Minuten Songlänge kann sich das streckenweise ziehen. „Bouncing Off The Wall“ entschädigt hierfür jedoch postwendend mit kraftvollen Gitarrenriffs und „Hey!“-Schreien. Wall-Jumping! Leider ist der Spaß nach zweieinhalb Minuten schon vorbei und „Still Breathing“ fährt das Energieniveau wieder nach unten. Doch nicht lange, denn der Refrain entfaltet sich als eines der Highlights des Albums – Gänsehaut! Insgesamt der spannendste Song auf der Platte. Dagegen wirkt das folgende „Youngblood“ doch recht konventionell, wenngleich der Sound gut drückt.

Mit „Too Dumb To Die“ blicken Green Day in die (eigene?) Vergangenheit zurück. Als man die Schule hasste, Gras liebte, keinen Fick auf Trends gab, vor sich hin pubertierte und dumme Sachen anstellte. Und letztlich doch – ohne draufzugehen – im Hier und Jetzt angekommen ist. Das Hier und Jetzt in „Troubled Times“, wie der nächste Song feststellt. Das lyrische Ich aus „Wake Me Up When September Ends“ (2004) sollte ob dessen also lieber noch etwas weiterschlafen. „Forever Now“ bietet hierzu mit einer Länge von fast sieben Minuten leider immer wieder Gelegenheit. Um den Hörer über diese Distanz bei der Stange zu halten, fehlt es der Musik von Green Day böse gesagt mitunter doch an Abwechslung. Mit „Ordinary World“ setzt die Band allerdings einen gelungenen Schlusspunkt unter das Album. Armstrongs Stimme und Gitarre schaffen eine heimelige Lagerfeueratmosphäre – vor dem brennenden Radio?

FAZIT

Green Day schreiben sich „Revolution“ auf die Fahnen. Textlich wird diese in gewohnter Manier umgesetzt, musikalisch liefert die Band hingegen wenig Neues. Was vermutlich auch nicht der Anspruch war. Dennoch überzeugt das Album als Ganzes, ohne jedoch an die Hitdichte von beispielsweise „American Idiot“ heranzureichen. Die beiden längsten Songs leiden mitunter an Spannungsabfall, besonders im Vergleich zu den kurzen Uptempo-Nummern. Bei letzteren ist jedoch ordentlich Stimmung im Bums. Was im kommenden Jahr auf den Festivals nicht anders sein dürfte, wenn das US-Trio die Bühne entert. Bang Bang, Feuer frei!

WERTUNG: 75%

HIGHLIGHTS: „Bang Bang“, „Still Breathing“, „Too Dumb To Die“

Green Day – „Revolution Radio“ (VÖ: 07.10. über Reprise Records)

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