Review: Wovenwar „Honor Is Dead“

Was war das 2014 für ein Aufschrei in der Welt des Metals (und darüber hinaus): Tim Lambesis, Sänger der christlichen Metalcore-Band As I Lay Dying, hatte versucht, einen Auftragskiller auf seine Ex-Frau zu hetzen und muss dafür in den Knast! Da dies dem guten Namen der Band doch ein wenig schadete, machten die verbliebenen Musiker unter dem neuen Namen Wovenwar weiter – und ballerten mit „Wovenwar“ direkt eines der stärksten Metal-Alben seit langem raus. Nun legen die Kalifornier mit „Honor Is Dead“ ihr zweites Album vor. Meine Erwartungen waren entsprechend hoch.

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Puristisch, aber vieldeutig: Das Cover zu „Honor Is Dead“ (Darstellung: Metal Blade Records)

Der Opener „Confession“ geht direkt mit Vollgas nach vorne und entfaltet sich zu einem gewohnt melodischen Refrain mit grandiosem Klargesang. Moderne Härte und Melodik sind bei Wovenwar also weiterhin Programm. Schon mal ein guter Start.

Doch leider geht der Band dann direkt ein wenig die Puste aus. „Censorship“ war bereits vorab als Single veröffentlicht worden, enttäuschte mich da jedoch. Zu hoch war einfach das musikalische Qualitätsniveau des selbstbetitelten Vorgängerwerkes, das für mich hart an der Grenze zum perfekten Album entlangschrammt. Jenen Erwartungen konnte, und kann, „Censorship“ nicht gerecht werden – leider höchstens Durchschnitt.

Auch das titelgebende „Honor Is Dead“ verwirrt zunächst mit ungewöhnlicher, irgendwie nerviger Stimmführung, bevor die Band dann doch einmal mehr einen Wow!-Refrain raushaut. Die zweite Hälfte des Songs reißt das Ruder schließlich herum und schließt den Titeltrack einigermaßen versöhnlich ab.

Bei „Lines In The Sand“, ebenfalls schon vorab zu hören, verhält es sich quasi umgekehrt: Zunächst knallt es richtig gut, dann kommt der Refrain jedoch nicht recht in Schwung. Klar kann man nicht nur hitverdächtige Hooks auf einem Album erwarten, aber das überirdisch gute Debütwerk hatte die Latte auch in dem Punkt einfach extrem hoch gelegt.

„World On Fire“ entpuppte sich als beste Vorab-Single und drückt auch jetzt noch verdammt gut, der Refrain geht auch schnell ins Ohr. Hat mich insgesamt ein wenig an Trivium erinnert – definitiv ein Kompliment!

In „Compass“ schlagen Wovenwar erstmals ruhigere Töne an. Das hatte auf dem Vorgängerwerk in „Father/Son“ schon herausragend funktioniert. „Compass“ ist solide, löst bei mir jedoch nicht annähernd die selbe Gänsehaut aus wie besagter älterer Titel.

Mehr Licht als Schatten

„Stones Thrown“ pumpt dann das Adrenalin wieder schlagartig nach oben. Dicke Gitarrenriffs, aggressive Vocals und ein melodischer Einschlag – so liebe ich Wovenwar. Im Solo wagen die Jungs einige elektronische Klangexperimente. Bislang mein Lieblingstitel auf „Honor Is Dead“.

Doch mit „Cascade“ rast schon der nächste Brecher um die Ecke und reißt alles mit, was ihm im Weg steht. Ein walzender Breakdown bereitet dabei einem wunderbaren Solo den Weg, bevor die Band zum finalen Schlag ausholt. Großes Metal-Tennis! Jetzt erst mal durchschnaufen.

In „Silhouette“ lassen es Wovenwar wieder ruhiger angehen. Leider bietet der Song dem Hörer nichts Außergewöhnliches, sondern kommt mitunter sogar etwas kitschig daher. Und ist nach drei Minuten auch schon wieder vorbei und vergessen.

Umso stärker startet „Bloodletter“. Der Song packt mich von der ersten Sekunde an mit einem genialen Riff und stampfendem Groove. Im Vergleich dazu fällt der Chorus leider etwas ab. Trotzdem insgesamt ein guter Song.

Mit „130“ holen Wovenwar schließlich zum finalen Schlag aus – und wie! Der mit gerade einmal 2:33 Minuten kürzeste Song auf „Honor Is Dead“ drückt von Anfang an dermaßen aufs Gas, dass einem die Luft wegbleibt. Auch im Refrain präsentiert sich die Band in Höchstform. Leider ist das Lied sehr schnell wieder vorbei. Wobei es sicher besser ist, früher Schluss zu machen statt Songs künstlich in die Länge zu ziehen, wenn einem eigentlich nichts richtiges mehr einfällt – eine Weisheit, die man auf das komplette Album beziehen kann.

FAZIT

„Honor Is Dead“ ist kein schlechtes Album, wirklich nicht. Und vielleicht hatte ich nach dem genialen „Wovenwar“ und dem ebenfalls unglaublich starken letzten Album von As I Lay Dying einfach unrealistische Erwartungen. Und natürlich gibt es mit „Confession“, „Stones Thrown“ und „Cascade“ auch richtig starke Tracks auf „Honor Is Dead“. Nur leider wirkt der Rest ein wenig uninspiriert. Klingt nach Luxusproblem. Gut möglich. Vielleicht zünden manche Songs auch erst nach mehrmaligem Hören. Aber bis Tim Lambesis aus dem Knast kommt – ob er dann auch direkt ans Mikrofon zurückkehrt, steht natürlich in den Sternen – werden sich Wovenwar an der Hit-Dichte auf ihrem genialen Quasi-Debütalbum messen lassen müssen.  Dieses mal hat es leider nicht gereicht. Vielleicht wird’s beim nächsten Album wieder besser. Mr. Lambesis sitzt ja noch ein Weilchen…

WERTUNG: 70%

HIGHLIGHTS: „Confession“, „Stones Thrown“, „Cascade“

Wovenwar –„Honor Is Dead“ (VÖ: 21.10. über Metal Blade Records)

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