Review: Hammerfall „Built To Last“

Eigentlich mag ich keinen Power Metal. Hammerfall waren da allerdings schon immer die Ausnahme. In der richtigen Stimmung kann ich während einer Autofahrt schon mal ein ganzes Album von ihnen mitsingen. Ja, ab und zu mach ich das. Die „Glory Days“ der ersten paar Scheiben sind in den letzten Jahren leider etwas verblasst im Angesicht zunehmend mediokrer Veröffentlichungen („Threshold“, „Infected“). Da Hammerfall mit dem starken „(r)Evolution“ zuletzt jedoch wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen konnten, war ich auf das neue Werk „Built To Last“ wieder sehr gespannt. Übrigens ihr erstes Album via Napalm Records nach fast 20 Jahren bei Nuclear Blast.

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100% Hammerfall – das Cover zu „Built To Last“ (Abbildung: Napalm Records)

„Bring It!“ – programmatischer kann man ein Album kaum beginnen, oder? Aber bringen es Hammerfall? Naja… Im ersten Song dominiert eher die Rock-Seite der Band statt ihr klassischer Metal-Stil. Nicht so ganz mein Fall. Ein anständiger Opener, aber auch nicht mehr.

Dann wird es cheesy. „Hammer High“, das hatte man schon im Refrain des ersten Track des Vorgängeralbums gehört. Aber Reime wie „Hammer high/freedom cry/ask me why/until I die“, vorgetragen im epischen Chorgesang, sind selbst auf der Hammerfall-Skala jenseits der zulässigen Grenzwerte. Musikalisch ist der Track aber okay.

Als „The Sacred Vow“ nach einem netten Akustik-Intro losrifft, springt der Funke dann erstmals über. Im Refrain balle ich wie in alten Tagen begeistert die Fäuste. Scheiß auf den albernen Text, der Song macht einfach Spaß! Wird live bestimmt ein Brecher.

„Dethrone And Defy“ glänzt eingangs mit Tapping und Melodik, bis Hammerfall ihrem eisernen Streitross die Sporen geben und in gewohnt mächtiger Manier hammerschwingend in die Schlacht rasen. Sorry, Pathos ist scheinbar ansteckend… Aber was die Schweden hier gitarrentechnisch abliefern, ist schon allererste Sahne. Dann noch die nötige Prise „Oh-ohohoh“-Chöre dazu – fertig ist der perfekte Hammerfall-Cocktail.

Hypermaskuline Männer in knappen Outfits

Dass die Band auch das Schreiben von Balladen beherrscht, hatte sie in der Vergangenheit u.a. mit „Glory To The Brave“ eindrucksvoll bewiesen. „Twilight Princess“ erweitert dieses musikalische Buch um ein weiteres Kapitel – leider nicht um das glorreichste. Beim Hören bin ich komplett abgedriftet, bis ich mir schließlich ein Video der „Highlights“ des ersten „Kampfes“ von Tim „The Machine“ Wiese reingezogen habe. Asche auf mein Haupt. Vielleicht war ich einfach nicht in Stimmung.

Mit „Stormbreaker“ lenkt die Band meinen Fokus von hypermaskulinen Männern in knappen Outfits, die sich „prügeln“ wieder auf hypermaskuline Männer in knappen Outfits, die Musik machen. Der Song hat seine Höhen und Tiefen und hinterlässt letztlich zwar keinen glanzvollen Eindruck, bleibt jedoch immerhin positiv in Erinnerung.

Der Titeltrack „Built To Last“ schließlich ist ein echter Headbanger. Der Refrain wird im Wechselgesang mit dem Publikum live sicher hervorragend funktionieren. Fäuste ballen und mitsingen ist angesagt. Beste Power-Metal-Unterhaltung!

„The Star Of Home“ läuft nach klassischem Hammerfall-Muster ab: Treibendes Riff, gedrosseltes Tempo in der Strophe, treibender Pre-Chorus, epischer Refrain. Funktioniert immer noch super. Textlich bietet die Band hingegen eine erfrischende Abwechslung zum üblichen „Hammer/Steel/Battle/Metal is religion“-Pathos.

Metal is cliche

Hätte ich es nur nicht verschrien! Denn schon im nächsten Stück „New Breed“ bedienen Hammerfall leider wieder dieses unsägliche Klischee-Thema. „Heavy metal running through our veins“ – mein Gott! Verherrlicht sich eigentlich irgendeine Musikrichtung in ihren Songs derartig selbst wie der Heavy Metal? Aber ich will nicht abschweifen. Der Song bietet leider auch musikalisch nichts Aufregendes. Einer der schwächeren Momente des Albums.

„Second To None“ beschließt den Reigen der zehn neuen Songs. Das balladesk vorgetragene Stück sucht wieder den Anklang an alte Zeiten – mit Erfolg. Wo mich „Twilight Princess“ noch zum Wrestling abdriften ließ, hält mich „Second To None“ mit Abwechslungsreichtum und ordentlich Wumms voll und ganz bei der Stange. Ein sehr gelungener Abschluss eines gelungenen Albums.

FAZIT

Hammerfall bringen es immer noch. Wer sich auf den Dreiklang aus Pathos, Posen und Power Metal einlässt, wird prächtig unterhalten. Joacim Cans ist nach all den Jahren stimmlich weiterhin voll auf der Höhe, ebenso wie Oscar Dronjak & Co. an den Instrumenten. Klar, „Built To Last“ ist kein „Glory To The Brave“, kein „Legacy Of Kings“, kein „Crimson Thunder“. Aber auch wenn die Band entgegen des Titels „Built To Last“ mit dem Album kein Werk für die Ewigkeit abgeliefert hat, so reiht sich die Scheibe doch aufseiten der Hammerfall-Alben ein, die man gerne mal während einer Autofahrt mitsingt. Und dabei die Fäuste ballt.

WERTUNG: 83%

HIGHLIGHTS: „The Sacred Vow“, „Dethrone And Defy“, „Built To Last“, „Second To None“

Hammerfall „Built To Last“ (VÖ: 04.11. via Napalm Records)

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