Review: Metallica „Hardwired… To Self-Destruct“

Jetzt ist sie also endlich da, die neue Scheibe der Metal-Millionäre Metallica: ein Doppelalbum mit dem sperrigen Namen „Hardwired… To Self-Destruct“.  Ich war beim ersten Hören ebenso zerrissen wie die zu einer einzigen Person verschmolzenen Bandmitglieder auf dem Cover. Denn man darf keine falschen Erwartungen an das Album herantragen.

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„Hier lang“, „nein, da lang!“ – eine eindeutige Marschrichtung lässt das Album vermissen (Cover: Blackened Recordings/Universal Music)

Dies ist jedoch ob des knalligen Openeres „Hardwired“ nicht einfach. Der Titeltrack reißt den Hörer volles Rohr in das Album mit. Metallica thrashen hier wie in alten Zeiten. Mit knapp über drei Minuten ein kurzer, knackiger Nackenbrecher zum Einstieg. Obwohl der Song den Titel des Albums trägt, ist er leider null repräsentativ für die restliche Scheibe.

Tempo, Tempo!

Denn so richtig schnell wird es erst wieder im finalen Track „Spit Out The Bone“. Jener schließt tempomäßig den Bogen zum ersten Song und ballert hart von vorne bis hinten. An dem Stück lässt sich nicht wirklich etwas aussetzen – so schnell, heavy und abwechslungsreich wünscht man sich einen Metallica-Song. Ärgerlich nur, dass die Band eine derartige Granate ganz hinten versteckt. Und dass sie die Berechtigung ihres Status als Mitglied der „Big 4“ des Thrash Metal nicht auf den vorherigen Songs ebenso stark untermauert.

Sehr gut gefallen hat mir aber auch „Atlas, Rise!“. Der Track hätte klanglich gut aufs „Justice For All“ gepasst. Wunderbar anzuhörender, klassischer Metallica-Track mit viel Power. Feine Metal-Kunst mit Hit-Potenzial! Auch das bereits vorab veröffentlichte „Moth Into Flame“ gefällt mir inzwischen richtig gut. Nach schleppendem Beginn kommt der Track in Fahrt und findet seinen Drive. Melodische Einschübe sorgen dabei für Abwechslung.

Zu wenig Abwechslung, zu viel Abwechslung

Abwechslung ist ein gutes Stichwort. Denn einerseits gibt es auf „Hardwired…“ davon sehr viel, andererseits zu wenig. So deckt das Album zum einen ziemlich die komplette stilistische Entwicklung von „Kill Em All“ bis „Reload“ ab. Innerhalb der langen Mid-Tempo-Songs im „Black“-Stil regiert jedoch zum anderen leider zu oft die Monotonie. Vielleicht ist das aber auch nur meine persönliche Wahrnehmung, da besagte Alben der 90er bei mir eben eher weniger gezündet haben.

Daher überzeugen mich auch die neuen Stücke „Now That We’re Dead“, „Dream No More“, „Halo On Fire“, „Confusion“ und „Am I Savage?“ nicht wirklich. Klar, das ein oder andere Riff knallt gut – hätte man es zuvor auf dem Album nicht schon in gefühlt fünf anderen Songs so ähnlich gehört. Kann man Stil nennen. Oder Monotonie. Auf jeden Fall denke ich mir beim Hören zu oft „puh, immer noch drei Minuten?“.

Sehnsüchtiger Blick zum Skip-Button

Positiver fallen „ManUNkind“, „Here Comes Revenge“ und „Murder One“ ins Gewicht. Im Vergleich zu den bekannten Metallica-Klassikern verblassen natürlich auch jene Songs recht schnell. Aber auf dem „Hardwired“-Album nehmen die Titel eine solide Position im Mittelfeld ein. Zumindest jeder für sich allein betrachtet. Hört man das Album am Stück durch, blickt man jedoch mitunter etwas sehnsuchtsvoll Richtung Skip-Button. Weniger ist manchmal einfach mehr. Das gilt übrigens für die ganze Scheibe.

Doppelt gealbumt hält besser?

Denn wenn man schon ein Doppelalbum auf den Markt wirft, dann sollte dies auch seine Berechtigung haben. Iron Maiden haben das letztes Jahr mit „The Book Of Souls“ grandios vorgemacht. Hier ist kein Song überflüssig und die Briten glänzen auch im fortgeschrittenen Alter noch mit Spielfreude und Kreativität. Bei „Hardwired“ hingegen wirkt mancher Track doch eher wie Füllmaterial – besonders nachdem sich die Herren Hetfield & Co. mit acht Jahren so viel Zeit für ein neues Album gelassen haben wie niemals zuvor.

Hätten Metallica einfach nur „Hardwired“, „Atlas, Rise!“, „Moth Into Flame“, „ManUNkind“, „Here Comes Revenge“ , „Murder One“ und „Spit Out The Bone“ auf die Tracklist gepackt, es wäre eine sehr runde Sache geworden. Man sollte kein Doppelalbum mit 70+ Minuten Spieldauer rauskloppen, wenn man nicht das Songmaterial dafür hat. Wobei ich einen der besten Tracks noch gar nicht erwähnt habe, denn er findet sich nur auf der Deluxe-Version des Albums.

Der Deluxe-Track der Deluxe-Version

Ich spreche von „Lords Of Summer“, das ich bereits live beim „Rockavaria“ erleben durfte. Warum es dieser großartige Nackenbrecher nur auf die Deluxe-Version des Albums geschafft hat, ist mir unerklärlich. Eigentlich skandalös. Möglicherweise sollen sich die Fans aber auch genau deswegen besagte teurere Version der Scheibe kaufen (ein Schelm, wer böses dabei denkt). Das schmälert jedoch nicht die Hit-Qualität des Tracks.

Die Bonus-CD beinhaltet außerdem drei Cover (Rainbow, Deep Purple, Iron Maiden) – brauch ich nicht unbedingt. Dazu noch zehn aktuelle Live-Versionen hauptsächlich alter Songs. Muss ich ebenfalls nicht haben. Vor allem schmerzt dadurch beim Hören umso mehr, dass „Hardwired…“ bis auf drei Tracks eben nichts mehr mit der guten alten Thrash-Schule zu tun hat, sondern mehr im Mid-Tempo vor sich hinkriecht.

FAZIT

Auch wenn der Titeltrack „Hardwired“ direkt fett losknüppelt: man darf kein Album im Stile von „Kill Em All“ bis „Master Of Puppets“ erwarten. Denn die meisten Songs dümpeln eher wie ein Donaudampfer monoton durch ruhiges Mid-Tempo-Fahrwasser. Klar, Metallica schreiben immer noch interessante Riffs, Melodien und Texte. Leider gelingt es ihnen auf „Hardwired…“ zu selten, daraus auch interessante Songs zu basteln. Es fehlt meist an Varianz in Tempo, Melodik und Riffing, um mich bei der Stange zu halten. Dadurch werden lange Songs eben nicht zu großen Songs, sondern eher zu langweiligen. Ich konnte beim Hören zwischendurch ruhig mal aufs Klo gehen, ohne eine überraschende Entwicklung im Songablauf zu verpassen. Innerlich betete ich immer wieder, Metallica mögen wieder öfter aufs Gaspedal treten – „Spit Out The Bone“ lässt grüßen. Aber so ist „Hardwired…“ stilistisch für mich einfach zu nah am „Black“-Album, was wie gesagt nicht so sehr mein Ding ist. Ich werde für die Zukunft ein paar der Songs in meine Metal-Playlist aufnehmen, aber wohl eher nicht das ganze Doppelalbum am Stück im Auto durchhören. Nach acht Jahren hätte man da wirklich mehr erwarten dürfen.

WERTUNG: 58%

HIGHLIGHTS: „Hardwired“, „Atlas, Rise!“, „Spit Out The Bone“, („Lords Of Summer“)

Metallica „Hardwired… To Self-Destruct“ (VÖ: 18.11. bei Blackened Recordings/Universal Music)

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