PTG’s Hot List 2016: Platz 20-16

Silvester naht, und hinter uns liegt ein wahnsinniges Jahr. Mord und Totschlag, zahlreiche Krisenherde sowie bedenkliche gesellschaftliche und politische Ent- und Verwicklungen summierten sich zu einer teils unerträglichen Gemengelage. Zynisch betrachtet also ideale Bedingungen für Kunst, die sich kritisch mit eben jener Weltlage auseinandersetzt. Und das Musik-Jahr 2016 hatte tatsächlich zahlreiche Highlights zu bieten. Hier präsentiere ich euch nun täglich in aufsteigender Reihenfolge je fünf der 20 meiner Ansicht nach besten Neuerscheinungen 2016.

Platz 20: Asking Alexandria „The Black“

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„Na Kleine, wie heißt du?“ (Cover: Sumerian Records)

Bumm – gleich die erste Überraschung! Asking Alexandria zählten bislang, gelinde gesagt, nicht gerade zu meinen Lieblingsbands. Als mir das neue Album „The Black“ der britischen Metal-/Trance-Coreler in die Hände fiel, ließ ich mich dennoch darauf ein – und war überrascht ob des erstaunlich hohen Härtegrades der ersten Songs. „Let It Sleep“, „I Won’t Give In“ und das titelgebende „The Black“ entfalteten binnen kurzer Zeit außerdem ein extrem hohes Ohrwurmpotenzial, ohne nervig zu sein.

Der neue Sänger Denis Stoff ist stimmlich voll auf der Höhe der Zeit und trägt die gekonnt um Elektro-Sounds ergänzten, abwechslungsreich gestalteten Songs. Bis auf ein, zwei scheinbar unvermeidliche Schmalz-Arien ein rundum gelungenes Album, das dem geneigten stiloffenen Hörer ein kurzweiliges Hörvergnügen bereitet.

Asking Alexandria „The Black“ (VÖ: 25.03. über Sumerian Records)

Platz 19: Knorkator „Ich bin der Boss“

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Bosshafter Auftritt: Alf Ator gibt den Ton an (Cover: Tubareckorz)

Mit Humor ist das ja bekanntlich wie mit Gulasch – was dem einen schmeckt, ist dem anderen vielleicht zu scharf und manch einer isst überhaupt kein Fleisch (frei nach Bernd Stromberg). Und so verhält es sich mit Knorkator auch. Wer den Humor der Berliner nicht mag, inklusive Stumpens außergewöhnlichem Gesang, wird der Band niemals etwas abgewinnen können. Soviel vorab, nun zum Album.

Im Titeltrack „Ich bin der Boss“ präsentieren sich Knorkator einmal mehr als selbstreflexive Künstler – find ich immer super! Mit „Sie kommen“, „Setz dich hin“ und „Du bist kein Mensch“ werden sozial- und politikkritische Töne angeschlagen – find ich noch superer! „Zähne putzen, pullern und ab ins Bett“ ist einfach charmant humorvoll, und auch die Vertonungen dreier Kindergeschichten von Heinrich Hoffmann wecken Kindheitserinnerungen. Live kommt das Gesamtkunstwerk Knorkator natürlich noch besser zur Geltung, aber auch beim heimischen Hören von „Ich bin der Boss“ist der Spaßfaktor hoch.

Knorkator „Ich bin der Boss“ (VÖ: 16.09. über Tubareckorz)

Platz 18: DevilDriver „Trust No One“

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„…damit ich dich besser fressen kann!“ (Darstellung: Napalm Records)

DevilDriver gehören für mich zu diesen Bands, die eigentlich immer gehen. Denn ähnlich wie Slipknot oder Machine Head finden auch DevilDriver stets die richtige Mischung aus Härte, Melodik und Groove. Sänger Dez Fafara packt eine Menge Aggression in seine Vocals, ohne dass die Verständlichkeit der Worte darunter leidet. In Sachen Popularität rangieren DevilDriver leider weiterhin ein, zwei Klassen unter besagten anderen Kapellen, mit „Trust No One“ hat die Band jedoch ein weiteres gewichtiges Argument geliefert, auf Festival-Running-Orders künftig noch weiter oben zu notieren.

„Testimony Of Truth“, „My Night Sky“ oder „Feeling Un-god-ly“ sind brutale Abrissbirnen, deren Durchschlagskraft durch die grandiosen Gitarren-Melodien noch um eine abwechslungsreiche Komponente erweitert wird. Das Album lässt sich wunderbar in einem Zug durchhören, es gibt quasi keine qualitativen Ausreißer nach unten. Klar erfinden sich DevilDriver mit „Trust No One“ nicht neu, doch reiht sich das Album nahtlos ein in die bärenstarke Diskographie der Band. Und live ist der Abriss eh immer garantiert.

DevilDriver „Trust No One“ (VÖ: 13.05. über Napalm Records)

Platz 17: In Extremo „Quid pro quo“

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Ehrliche Musik für die Kneipen dieser Welt (Cover: Vertigo Berlin)

Mit In Extremo verhält es sich wie mit einem guten Wein, der über die Jahre weiter reift. Wenngleich Alben wie „Sünder ohne Zügel“ natürlich zu den Klassikern des deutschen Mittelalter-Rocks zählen, so gefallen mir die neueren Outputs der Berliner dennoch besser. Und auch „Quid pro quo“ eroberte seinen Platz neben „Mein rasend Herz“ oder „Sterneneisen“ in meiner persönlichen In-Extremo-Hitliste. Beim Opener „Störtebeker“, der vom wohl berühmtesten Piraten der Ostsee handelt, heißt es direkt volle Fahrt voraus, der Song strotzt nur so vor Energie.

Kritischere Töne schlägt die Band bei „Quid pro quo“ und „Lieb Vaterland, magst ruhig sein“ an – gegen den entfesselten Kapitalismus und das sinnlose Verheizen junger Menschen auf den Schlachtfeldern der Welt. Spätestens bei „Sternhagelvoll“ ist die Stimmung jedoch wieder auf dem Siedepunkt, von Refrain zu Refrain klettert die Promillezahl unaufhaltsam nach oben. Mit „Roter Stern“ und „Schwarzer Rabe“ (übersetzt) drücken In Extremo auch ihre besondere Verbundenheit mit dem russischen Volk aus, ohne befürchten zu müssen, als „Putinversteher“ verschrien zu werden. Bei Wein und Gesang funktioniert Völkerverständigung schließlich am besten. Das demonstrieren In Extremo nun bereits seit über 20 Jahren – und hoffentlich auch noch in weiteren 20 Jahren.

In Extremo „Quid pro quo“ (VÖ: 24.06. über Vertigo Berlin)

Platz 16: In Flames „Battles“

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Ein Neon-Schädel in den Tiefen des Alls – bitte interpretieren Sie! (Cover: Nuclear Blast)

In Flames polarisieren. Für manche noch immer eine der größten Metal-Bands aller Zeiten, für andere seit Jahren lediglich ein Schatten ihrer selbst. „Siren Charms“ von 2014 war dann ein echter Griff ins Klo – zu gewollt, zu beliebig, zu inkonsequent, zu soft. Mit „Battles“ ist musikalisch bei In Flames endlich wieder alles im Reinen. Die unsterblichen Melodien bauen sich in alter Größe vor dem Hörer auf, der Druck der Instrumente ist dem Zeitgeist entsprechend. Auch wenn die Band sich von ihrem ursprünglichen Sound längst distanziert hat, ist die gute alte Göteburger Schule in Hits wie „The End“, „Before I Fall“ oder „Drained“ nicht zu überhören.

Nur der Gesang… Irgendwie finde ich leider mitunter keinen rechten Zugang zu den ungewöhnlich wirkenden Gesangslinien, die Anders Friden anstimmt. Jedoch kitzelt der Frontmann dafür zum Teil derart epische Refrains aus seinen Stimmbändern heraus, dass man über die schwächeren Parts – und auch die teils recht pubertär wirkenden Lyrics, hinweghören kann. Klar wäre hier und da noch das ein oder andere Prozent mehr zu holen gewesen – dieses Potenzial hat die Band –, aber insgesamt ist „Battles“ eine sehr runde, in sich stimmige Sache. Für mich das beste In-Flames-Album seit „Come Clarity“.

Ein ausführliches Review des Albums findest du hier.

In Flames „Battles“ (VÖ: 11.11. über Nuclear Blast)

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Das waren die Plätze 20 bis 16. Hier geht es zu den restlichen Platzierungen: 

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