PTG’s Hot List 2016: Platz 15-11

Weiter geht’s mit meinem musikalischen Rückblick auf das Jahr 2016. Die Plätze 15 bis 11 elf könnte man wie folgt überschreiben: wenn die Realität irgendwie scheiße ist, flüchtet man sich eben in künstlerische Traumwelten. Romantik at its finest!

Platz 15: Science Of Sleep „Hellmouth“

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Ein Cover, direkt den Abgründen des Höllenschlundes entsprungen (Cover: Bastardized Recordings)

Endlich gibt’s in dieser Liste mal dick auf die Fresse! Treffender kann man die Flakbatterie von einem Album, das Science Of Sleep hier rausgehauen haben, eigentlich kaum beschreiben. Die Deathcore-Formation aus dem beschaulichen Braunschweig zieht auf „Hellmouth“ mit meisterlicher Hand alle Register ihres Faches: rasende Blastbeat- und Doublebass-Teile, fiese Disharmonien und tonnenschwere Breakdowns. Dazu ergießt sich aus dem Munde des Sängers Marcus Jasak ein derartiger Hass-Schwall, dass sich jener hinter Whitechapel und Konsorten keineswegs zu verstecken braucht.

Darüber hinaus geben sich mit Nico Webers (War From A Harlots Mouth) und Matthias „Matthi“ Tarnath (Nasty) auf „Hellmouth“ zwei fantastische Gastsänger die Ehre, deren vokales Kreuzfeuer sich nahtlos in das infernale Gesamtkunstwerk des Albums einordnet. Momente der Langeweile sucht man so vom ersten bis zum letzten Ton vergebens, jeder Song zermahlt Gehörgang und Nackenmuskel auf seine eigene brutale Art und Weise. Insofern fällt es mir auch schwer, konkrete Anspieltipps zu geben – das ganze Album ist ein einziges Highlight. Natürlich erfinden Science Of Sleep den Deathcore nicht neu, aber mit „Hellmouth“ liefert die Band nichtsdestotrotz ein kleines Meisterwerk ab, das ihnen in naher Zukunft höhere Weihen garantieren sollte. Fett, fett, fett!

Science Of Sleep „Hellmouth“ (VÖ: 25.11. über Bastardized Recordings)

Platz 14: Harakiri For The Sky „III: Trauma“

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Aus dem beschwerlichen Leben eines Hirsches (Cover: Art Of Propaganda)

Das nächste Album ist erst kurz vor knapp auf die Liste gerutscht, obwohl es bereits im Juli erschienen war. Vermutlich deshalb, weil im Sommer eher selten so düstere Musik aus meinen Boxen schallt, wie sie die Österreicher von Harakiri For The Sky über den Hörer ausschütten. Für Alben wie „III: Trauma“ muss man sich Zeit nehmen. Licht aus, Kopfhörer auf, Augen zu – und sich dem Strudel der Melancholie hingeben. Harakiri For The Sky sind allerdings keine klassische Black-Metal-Band, wenngleich sie diesem Metal-Genre atmosphärisch sehr nahe stehen. Denn ihre Musik bietet so viel mehr.

Mastermind Matthias „M.S.“ Sollak zaubert solch wunderschöne Melodiebögen zwischen die schwarzmetallischen Blastbeat-Teile, dass auch dem Post-Rock-Liebhaber das Herz meilenweit aufgeht. Erneut fällt es mir ungemein schwer, ein oder zwei Songs herauszuheben, da jedes einzelne Stück seine Berechtigung hat und eine Säule des Gesamtkunstwerks „III: Trauma“ darstellt. Besonders positiv in Erinnerung geblieben sind mir zwar „Funeral Dreams“ und „The Traces We Leave“, aber das ist meine persönliche Meinung. Nehmt euch am besten selbst die 75 Minuten, die das Album benötigt, und taucht ein in den düsterschönen, bodenlosen Klangozean von Harakiri For The Sky.

Harakiri For The Sky „III: Trauma“ (VÖ: 22.07. über Art Of Propaganda)

Platz 13: If These Trees Could Talk „The Bones Of A Dying World“

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Nur die Spitze des Eisberges unserer sterbenden Welt (Cover: Metal Blade)

Und schon wieder wird es düster und melancholisch – muss wohl an der Jahreszeit liegen. If These Trees Could Talk ist eine US-amerikanische Post-Rock-Band, die mir seit einiger Zeit sehr ans Herz gewachsen ist, und die ich euch in einem weitern Artikel noch detaillierter vorstellen werde. Wie die meisten Genre-Kollegen verzichtet die Band komplett auf Gesang und lässt stattdessen ihre Musik für sich sprechen. Die Titel der Songs, wie auch des Albums „The Bones Of A Dying World“, drehen sich jedoch zumeist um Naturthemen. So wird die Assoziation des Hörers zwar in eine bestimmte Richtung gelenkt, jedoch können sich noch immer unendlich viele Bilder im Kopf entwickeln.

Insgesamt lassen sich If These Trees Could Talk recht gut mit den großen God Is An Astronaut vergleichen, denn auch sie interpretieren den Post Rock relativ hart und rhythmisch (im Gegensatz zu einer anderen Band, die weiter unten folgt). Dass keine menschliche Stimme durch das Dickicht an instrumentalen Klängen hervorschallt, ist natürlich Geschmackssache. Wem Songtexte wichtig sind, wird vielleicht auch eher keinen Gefallen an solcher Musik finden. Allen anderen kann ich „The Bones Of A Dying World“ nur sehr ans Herz legen. Ihr werdet ein derart variables und mitreißendes Klanguniversum entdecken, das in Sachen Melodik, Rhythmik und atmosphärischer Dichte so kaum ein zweites Mal zu finden ist.

If These Trees Could Talk „The Bones Of A Dying World“ (VÖ: 03.06. über Metal Blade)

Platz 12: Insomnium „Winter’s Gate“

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Das neue Insomnium-Album – ein Fels in der Brandung (Cover: Century Media)

Dass es bei Insomnium monumental zugeht, ist nun wirklich nichts Neues. Aber ein Album, das nur aus einem einzigen, 40-minütigen Song besteht – das ist selbst für die finnische Combo ein Novum. Keine Angst, das Stück „Winter’s Gate“ ist in sieben Teile gesplittet, man muss es also nicht in einem Zug durchhören. Wobei ich das schon sehr empfehle, da tatsächlich ein roter Faden existiert, der von vorne bis hinten durchgehalten wird und den Hörer bis zur letzten Sekunde zu fesseln weiß. Das ist Melodic Death Metal, wie er sonst sehr selten anzutreffen ist.

Insomnium entlocken dem Genre die Härte und Größe, die Amon Amarth inzwischen leider verloren haben. Andererseits verzieren sie ihre Songs auch nicht mit einem derart übertriebenem Bombast, der schon teils kitschige Züge annimmt, wie dies Wintersun zuletzt taten. Die einzelnen Akte von „Winter’s Gate“ sind straight durchstrukturiert, wodurch ein jeder für sich selbst steht. Gleichzeitig verflechten sie sich jedoch zu einem monumentalen Gesamtkunstwerk, das noch mehr ist als die eh schon große Summe seiner Teile. Die eigens verfasste Kurzgeschichte, die den Songtexten zugrunde liegt, ist übrigens auch sehr lesenswert. Perfekt für kalte, lange, dunkle Winternächte!

Insomnium „Winter’s Gate“ (VÖ: 23.09. über Century Media)

Platz 11: Hammock „Everything And Nothing“

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Hammock bringen etwas mehr Farbe ins Spiel (Cover: Hammock Music)

Nur knapp an meinen persönlichen Top 10 vorbeigeschrammt ist das US-amerikanische Musikerduo Hammock mit „Everything And Nothing“. Das Cover legt bereits nahe, dass wir es hier nicht gerade mit Brutal Death Metal zu tun haben. Selten wurde ein Bandname so passend gewählt wie „Hammock“, das englische Wort für Hängematte. Denn die stark ambient-lastigen Post-Rock-Stücke der Band bereiten dem Hörer eine derart weiche Ruhestätte, dass man gar nicht anders kann, als sämtliche Schwere aus dem Körper weichen zu fühlen und sich davonzuträumen.

Mitunter setzen Hammock sogar Gesang ein, was ja in dem Genre eher ungewöhnlich ist. Doch blitzt dieser so zart und zumeist lautmalerisch zwischen der musikalischen Wolkendecke hervor, dass er einen nicht aufschrecken lässt, sondern nur kurz die Nase kitzelt. Auch die typischerweise eher nicht zu findenden rhythmischen Einschläge, die jedoch auf „Everything And Nothing“ ebenfalls vorhanden sind, lassen die klangliche Hängematte nur sanft im Wind schaukeln und pusten frische Luft in die Lunge. Hach, ich könnte zur Musik dieser Band ein stimmungsvolles sprachliches Bild nach dem anderen ersinnen, ohne die Schönheit der Klänge jemals adäquat zu beschreiben. Kuschelt euch ins Bett, oder legt euch im Sommer mal mit diesem Album auf den Ohren draußen in eine Hängematte – ihr werdet es nicht bereuen!

Hammock „Everything And Nothing“ (VÖ: 01.04. über Hammock Music)

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Das waren die Plätze 15 bis 11. Hier geht es zu den restlichen Platzierungen: 

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