PTG’s Hot List 2016: Platz 05-02

Es wird spannend, es wird spannend, es wird spannend! Welche Alben haben es aufs Treppchen geschafft? Und wo bleiben denn jetzt eigentlich Metallica und Amon Amarth?

Platz 5: Aborted „Retrogore“

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„Soll ich es vorne rum noch etwas kürzer machen?“ (Cover: Century Media)

The doctor… is in again! Es gab 2016 wenige Alben, denen ich in feuchten Träumen so entgegen gefiebert habe wie der neuen Aborted-Scheibe „Retrogore“. Und der Name ist Programm: Das belgische Todeskommando schlachtet wie in besten „Goremageddon“-Tagen mit seinen Instrumenten alles nieder, dem noch ein Fünkchen Leben innewohnt. Es zahlt sich definitiv aus, dass Frontmann Svencho nach endlosen Besetzungswechseln sein Line-up seit 2012, als „Global Flatline“ erschien, endlich fest zusammenhält.

Die Vorab-EP „Termination Redux“ hatte bereits meinen Blutdurst geweckt, und „Retrogore“ war dann das versprochene Festmahl. Wahnwitze Grind-Attacken zerfetzen (Achtung, Doppeldeutigkeit!) die Trommelfelle, während brutale Groove-Parts die letzten Reste der Nackenmuskulatur pulverisieren. Über allem thront Svenchos Keif- und Growl-Organ, das für mich weiterhin zur absoluten Topklasse im Death-Metal-Bereich zählt. Die gewohnten Samples aus Horrorfilmen verleihen den morbiden Bildern den letzten Schliff – Einblicke in die Seelenabgründe eines Psychokillers.

Als würde man eine Gehirnoperation mit dem Presslufthammer durchführen – so ließ sich für mich der Stil Aborteds, der auf einzigartige Weise gnadenlose Brutalität mit mechanischer Finesse verbindet,  immer am treffendsten beschreiben. Daran hat sich auch mit „Retrogore“ nicht das geringste geändert. Es gibt wenige Bands, denen das Prädikat „totale Vernichtung“ so gut steht wie Aborted. Eine davon findet ihr noch weiter unten.

Aborted „Retrogore“ (VÖ: 22.04. über Century Media)

Platz 4: Alcest „Kodama“

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Ein „Kodama“ ist ein Geist aus der japanischen Folklore (Cover: Prophecy Productions)

Wir dürfen wieder träumen! Dank Alcest. Die Musik des Soloprojekts von Stéphan „Neige“ Paut zählt für mich seit jeher zum ästhetisch wertvollsten Gut unseres Kontinents. Mit „Kodama“ schlagen Alcest nun ein weiteres Kapitel der unendlichen Geschichte auf, die die Franzosen gleich einer endlosen Traumreise in unsere Köpfe und Herzen zaubern. Wer noch nie ein Lied dieser Band gehört hat, wird sich durch meine Worte auch nur höchstens ein bruchstückhaftes Bild der musikalischen Schönheit machen können. Jeder muss sie selbst erfahren.

Im Vergleich zum Vorgängeralbum „Shelter“ lässt sich auf jeden Fall festhalten, dass der Blackgaze in Alcests Musik zurückgekehrt ist – Neige kreischt wieder. Wie ein solcher Feingeist von schmaler Statur derart markerschütternde Schreie loslassen kann, während er wie in Trance zum Heulen schöne Melodien aus seiner Gitarre hervorzaubert, ist besonders live ein magisches Erlebnis.

Von den sechs Tracks auf „Kodama“ hat sich für mich kein eindeutiger Lieblingssong herauskristallisiert. Jedem dieser kleinen Meisterwerke wohnt eine solche Fülle an mitreißenden Melodien und Gänsehautmomenten inne, dass man die Scheibe mit allen Sinnen von der ersten bis zur letzten Sekunde auskosten sollte. Nehmt euch die Zeit, es lohnt sich wirklich! Man muss dafür auch nicht unbedingt Französisch können…

Alcest „Kodama“ (VÖ: 30.09. über Prophecy Productions)

Platz 3: Anaal Nathrakh „The Whole Of The Law“

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Ob das anatomisch wirklich so funktioniert…? (Cover: Metal Blade)

Willkommen auf dem Treppchen! Willkommen in der Hölle! Willkommen bei Anaal Nathrakh! Das Duo, bestehend aus Mastermind Mick Kenney und Sänger Dave Hunt, versucht mit jedem Album, die Grenzen des Extreme Metal weiter zu verschieben – erneut mit Erfolg. „The Whole Of The Law“ ist wie ein musikalischer Terroranschlag, der darauf abzielt, den Glauben an das Gute im Menschen vollkommen zu zersetzen. „Homo homini lupus est“ – jene Sentenz könnte seit jeher die dunklen Banner zieren, die über den misanthropischen Song-Armeen der Band wehen.

Anaal Nathrakh vermengen in ihrer Musik Elemente aus Black Metal, Death Metal, Grindcore und Industrial, ohne sich auf eine dieser Stilrichtungen festschreiben zu lassen. Es knallt, es ballert, es kreischt, es keift – und plötzlich erhebt sich Dave Hunts hymnenhafter Klargesang aus den blutüberströmten Schützengräben jenes musikalischen Schlachtfeldes, um das Elend und die Bedeutungslosigkeit der menschlichen Existenz zu besingen. Die elektronischen Einschübe verleihen dem beschworenen Weltuntergang zudem eine mechanisch-kalte Note. „In Flagrante Delicto“ demonstriert das eindrucksvoll.

Klar, Anaal Nathrakh sind nicht jedermanns Sache. Bei weitem nicht. Die infernalen Schreie, die Blastbeat-Orkane, das halsbrecherische Tempo, der gnadenlose Nihilismus – muss man mögen. Wer jedoch schon lange mal hören wollte, wie die Auslöschung unserer wertlosen Rasse in einem Atomkrieg wohl klingt, oder was einem Massenmörder während seines Amoklaufs wohl durch den vernebelten Verstand geistert: Willkommen bei Anaal Nathrakh!

Anaal Nathrakh „The Whole Of The Law“ (VÖ: 28.10. über Metal Blade)

Platz 2: Long Distance Calling „Trips“

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Facebook gefiel dieses Cover nicht (BRÜSTE!!!!) (Cover: InsideOut Music)

Wuhuhuuu, das neue Album von Long Distance Calling! Mehr Vorfreude geht bei mir eigentlich nicht, als wenn meine liebste Post-Rock-Band eine neue Scheibe rausbringt. Da fällt quasi mein Geburtstag auf Weihnachten, es ist Samstag, und Schnee liegt auch noch. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall ist das immer ein absolutes Highlight für mich, und meine Erwartungshaltung sprengt für gewöhnlich ein Loch in die Decke. Und trotzdem ist „Trips“ nur Platz zwei in diesem Ranking? Was ist denn da passiert?

Gleich vorab: Es ist alles gut. Long Distance Calling sind so grandios wie eh und je – auch mit neuem festen Sänger. Das Quasi-Intro „Getaway“ hat mich mit seinem 80s-Flair zwar zuerst etwas irritiert, doch inzwischen funktioniert der Song richtig gut. Die anderen Instrumental-Songs sind „Trauma“, „Presence“, „Momentum“ und „Flux“. „Trauma“ rifft so hart um die Ecke, dass man kurz zweimal hinschauen muss, um sich davon zu überzeugen, dass nicht aus Versehen Metallica in den Plattenspieler gerutscht sind. Das Interlude „Presence“ läutet das schwungvolle „Momentum“ ein, das seinem Titel alle Ehre macht. „Flux“ schließlich ist der epochale Abschlusssong, die Krönung des Meisterwerks, der musikalische Orgasmus. So weit so grandios. Und die Tracks mit Gesang?

Hier muss ich gestehen, dass ich mit Petter Carlsens Stimmlage erst etwas gefremdelt habe. „Reconnect“ fand ich noch sehr ansprechend, doch bei „Rewind“ erschien mir die stimmliche Untermalung dann doch etwas zu dünn. Zu zerbrechlich für die oft so rifforientierte und rhythmusbetonte Musik der Band. Doch das gab sich mit der Zeit. Nun kann ich die Gesangstitel ebenso genießen wie die Instrumentalstücke. „Lines“ hat sich sogar zu einem meiner absoluten LDC-Lieblingssongs entwickelt – was für ein meisterlicher Rundflug durch den Kosmos der Träume! Und auch bei „Plans“ sowie den Bonustracks „Escape“ und „Echos“ schwingt sich die Band zu alter Größe in neuem Gewand auf – was insgesamt für das ganze Album gelten könnte. Long Distance Calling setzen mit „Trips“ ihre musikalische Reise voll Neugierde und Entdeckungsfreude fort. Und ich werde ihnen weiterhin voller Glückseligkeit in die Ferne folgen.

Long Distance Calling „Trips“ (VÖ: 29.04. über InsideOut Music)

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Das waren die Plätze 5 bis 2. Hier geht es zu den restlichen Platzierungen: 

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