Review: Bonobo „Migration“

Da laus mich doch der Affe! Was macht denn Bonobo hier zwischen all den Metal-Reviews auf dieser Seite? Nun, wer den britischen Elektro-Künstler, der unter diesem „affigen“ Pseudonym seit fast 20 Jahren Musik veröffentlicht, bereits kennt, kann dies vollends nachvollziehen. Wer bislang nicht in den Genuss kam, den heiße ich nun herzlich willkommen, seinen musikalischen Horizont um ein wundervolles Stück Musik zu erweitern.

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Brennender Dornenbusch – war da nicht was? (Cover: Ninja Tunes)

„Elektro“ – das ist ein ähnlich schwammiger Begriff wie „Metal“ oder „Rock“. Da ich in dem Genre leider kein Experte bin, muss ich mich auf Prof. Wiki verlassen, der Bonobos Klänge der Unterkategorie des so genannten Downtempo zuordnet. Ja, auf „Migration“ geht es extrem lässig zu, das lässt sich nicht bestreiten. An sich spielt die genaue Stilbezeichnung aber auch keine große Rolle. Wichtiger ist, dass die Musik, die Simon Green alias Bonobo aus seinen Maschinen zaubert, wunderbar zur Entspannung taugt.

Bonobo hat nicht im geringsten etwas mit stumpfem „Hyper Hyper“-Techno oder brutalen Gabber-Orgien zu tun. Aber auch nicht mit den seichten Radioklängen eines Robin Schulz, Felix Jaehn oder Lost Frequencies, deren Lieder stets gleich bedeutungslos und monoton über den Äther düdeln. Nein, Bonobo ist anders, viel stärker im Ambient-Bereich angesiedelt. So verflechten sich beispielsweise in „Second Sun“ zarte Streicher zu einem harmonischen Klangdickicht, durch das sich sanfte Klaviertöne ihren Weg bahnen. Das rhythmische „Surface“ setzt hingegen direkt auf einen weichen Bass, über den eine angenehme Frauenstimme perlt.

Es klingt einfach wunderschön, ohne sich zu sehr dem Mainstream anzubiedern. Bonobo würde niemals im Radio laufen. Vielleicht höchstens nachts um 2 Uhr in irgendeinem obskuren Kulturprogramm – was wiederum sehr gut passen würde, denn zu „Migration“ lässt es sich fantastisch einschlafen. Also, nicht weil die Musik so langweilig wäre! Sondern weil man kaum anders kann, als sich von den sphärischen Klängen in eine idyllische Traumwelt entführen zu lassen. Der Herzschlag gleicht sich dem gemütlichen Bass an, die Atmung wird flach und gleichmäßig, Körper und Geist spüren, wie die Last des vergangenen Tages aus ihnen entweicht. Gute Nacht!

FAZIT

Bonobo erweitert seine facettenreiche Diskographie mit „Migration“ um ein weiteres kleines Kunstwerk. Der Brite verwebt sanfte Gitarren-, Klavier- und Streicherklänge mit Synthie-Sounds und warmen Bass-Linien zu einem extrem entspannenden Stück elektronischer Musik. Vereinzelte Gesangspassagen reihen sich nahtlos in die Atmosphäre der Stücke ein und lenken die Aufmerksamkeit des Hörers nicht zu stark auf sich. Wer auch nur ansatzweise etwas mit Ambient und Post Rock anfangen kann, sollte „Migration“ definitiv mal antesten! Einziger Mini-Kritikpunkt an dem Album: Es ist beim ersten Hören nicht ganz so überwältigend wie „Black Sands“. Aber vielleicht gibt sich das mit der Zeit noch…

WERTUNG: 85%

HIGHLIGHTS: „Migration“, „Second Sun“, „Surface“

Bonobo „Migration“ (VÖ: 13.01. über Ninja Tunes)

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