Review: Aversions Crown „Xenocide“

Die Menschheit ist weg. Ausgerottet von Aliens. Zumindest war dies das Thema, dem sich Aversions Crown auf ihrem Vorgängerwerk „Tyrant“ gewidmet haben. Nun bringt die Deathcore-Formation mit „Xenocide“ das nächste schwere Geschoss in Stellung. Soll nun also das Fremde vernichtet werden? Oder vernichtet nicht doch eher wieder eine fremde Macht uns? Man weiß es nicht genau. Bei Betrachtung des Covers wird jedoch klar: Vernichtung ist so oder so garantiert!

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„Vierarmiger Orc setzt Raute der Vernichtung ein – sehr effektiv!“ (Cover: Nuclear Blast)

Das Intro „Void“ klingt schon recht bedrohlich. Trommeln in der Tiefe. Synthies in der Höhe. Episch! „Prismatic Abyss“ reißt dann mit seiner Brutalität direkt ein Loch in die Boxen. Eine Flutwelle aus derben Growls, packenden Riffs und gnadenlos ballerndem Schlagzeug bricht über den Hörer herein und lässt keinen Stein auf dem anderen. Klingt nach Verwüstung – richtig! Klingt nach Chaos – falsch! Denn das technisch hochanspruchsvolle Werk der Australier ist so minutiös durchdacht wie eine Alien-Invasion.

Die hohen Leads schweben dabei über dem gnadenlos dahindonnernden Wildwasserstrom aus Doublebass- und Blastbeat-Attacken, der alles in seinem Weg umspült. Immer wenn man denkt, jetzt hätten Aversions Crown die Obergrenze der Intensität erreicht, zündet die Band ein weiteres Monster-Riff und sprengt das nächste Stockwerk weg. Oder versenkt direkt das ganze Gebäude in der Felsspalte, die sie mit brachialen Breakdowns in die Erdkruste reißt.

Zwischen Stahlplatten und Hochleistungsfräse

Dabei fällt es schwer, einzelne Songs auf „Xenocide“ hervorzuheben. Jeder einzelne Track ist ein neuer kosmischer Sturm, der über unsere Welt hereinbricht. „Ophiophagy“ beispielsweise nähert sich langsam mit verzerrten Leads, bis der Sternenzerstörer erste vernichtende Salven abfeuert. In Sachen Rhythmus und Groove erinnert das an Whitechapel, aber irgendwie klingt es noch fieser. Das Organ des neuen Sängers Mark Poida gibt in Sachen Screams und Growls unglaublich viel her. Klanglich ist das in etwa so, als würden dir Stahlplatten Stück für Stück die Beine brechen, während eine Hochleistungsfräse langsam deinen Oberkörper zerteilt. Ja, das klingt hässlich. Soll es auch, das ist Deathcore!

Oder nehmen wir „Cynical Entity“. Der Song kriecht ganz hinterhältig aus den Boxen, bis er schließlich mit Gekreisch in dein Gesicht springt und dir selbiges mit seinen scharfen Klauen zerfetzt. Und dann seine Eier in die Überbleibsel deines Schädels legt, damit seine Nachkommen sich an deinem Gehirn laben können… Okay okay, gerade gehen die Gore-Gäule etwas mit mir durch! Aber das Stück liefert einfach alles, was man sich als Liebhaber technischen, modernen, brutalen Death Metals wünscht. Und dann krabbelt es davon. Und hinterlässt deinen blutüberströmten Leichnam mit einem gähnenden Loch in deinem… Gut, Schluss damit! Kommen wir lieber zu den Kritikpunkten.

„Xenocide“ ist zwar richtig stark, aber leider nicht perfekt. Mit 12 Songs, die insgesamt gut 50 Minuten dauern, überspannen Aversions Crown den Bogen etwas. Zwei bis drei Titel weniger hätten ob der Intensität jedes einzelnen Stücks durchaus genügt. Dafür sollten die Musiker vielleicht lieber noch etwas mehr Zeit in das Schreiben einprägsamer Riffs und Melodien investieren. Denn so bleibt leider kaum ein Stück richtig hängen, zumindest nicht beim ersten Hören. Wie es besser geht, haben beispielsweise All Shall Perish auf „The Price Of Existence“ nahezu perfekt demonstriert. Aber diesem Vergleich hielte eh kaum ein mir bekanntes Album stand.

FAZIT

Aversions Crown dürften mit „Xenocide“ in der Szene des modernen Extreme Metals ordentlich Staub aufwirbeln – Nuclear-Blast-Marketing sei Dank. Allerdings auch zurecht, denn das dritte Album der Australier ist ein monströses Ding aus einer anderen Welt, das sich gnadenlos seinen Weg durch unser Sonnensystem bahnt. Für absolutes Top-Niveau reicht es zwar noch nicht ganz, aber das kann ja mit der Zeit noch werden. Mit „Xenocide“ gehen Aversions Crown auf jeden Fall den nächsten Schritt. Und der hinterlässt nur (eine) verbrannte Erde.

WERTUNG: 81%

HIGHLIGHTS: „Prismatic Abyss“, „Ophiophagy“, „Cynical Entity“

Aversions Crown „Xenocide“ (VÖ: 20.01.2017 über Nuclear Blast)

 

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